Wie KMUs Liquidität freisetzen – Working Capital optimieren

Mein Working Capital ist zu hoch – was tun?

Ein zu hohes Working Capital bindet Liquidität, erhöht den Finanzierungsbedarf und steigert operative Risiken. Gerade für KMUs, die über limitierte Finanzierungsmöglichkeiten verfügen, ist eine aktive Steuerung daher ein wesentlicher Erfolgsfaktor. In diesem Artikel erfahren Sie:

  •  Was Working Capital genau ist,
  •  Welche Hebel zur Optimierung zur Verfügung stehen,
  •  Welche Risiken zu beachten sind und
  • Mit welchen Kennzahlen Sie Ihr Working Capital professionell steuern können.

Der Blog ist sowohl in einer ausklappbaren als auch in einer Komplettansicht verfügbar. Viel Spass beim Lesen!

1. Was ist Working Capital?

Das Working Capital ergibt sich aus:

Vorräte + Forderungen – Verbindlichkeiten

Es beschreibt das im operativen Geschäft gebundene Kapital, das notwendig ist, um das Geschäftsmodell aufrechtzuerhalten.

Häufig wird vom Kern‑Working‑Capital gesprochen. Dieses kann um sonstige Forderungen und Verbindlichkeiten ergänzt werden. Diese Positionen sind jedoch meist nur eingeschränkt beeinflussbar, da sie oft gesetzlichen Vorgaben unterliegen und verspätete Zahlungen zu Strafen oder Zinsen führen können.

Bei produzierenden Unternehmen gliedern sich Vorräte in drei Kategorien:

  1. Roh‑, Hilfs‑ und Betriebsstoffe (RHB)
  2.  Halbfabrikate
  3. Fertigfabrikate

Hohe Lagerbestände führen nicht nur zu gebundenem Kapital und höheren Finanzierungskosten, sondern auch zu:

  • Erhöhten Lager‑ und Handlingkosten
  • Veralterungs‑ und Abschreibungsrisiken
  •  Preis‑ und Absatzrisiken

2.1 Roh‑, Hilfs‑ und Betriebsstoffe gezielt steuern

Bewährte Optimierungsmaßnahmen sind:

  • Konsignationslager mit Lieferanten

Für nachhaltige Ergebnisse empfiehlt sich eine strukturierte Analyse:

ABC‑Analyse

  • A‑Artikel: hoher Wert, geringe Menge → geringe Bestände, häufige Disposition
  • B‑Artikel: mittlerer Wert → regelmäßige Überprüfung
  • C‑Artikel: geringer Wert, hohe Menge → größere Bestellmengen

XYZ‑Analyse

  • X‑Artikel: stabiler Verbrauch, gut prognostizierbar
  • Y‑Artikel: schwankender Verbrauch (z.B. saisonal)
  • Z‑Artikel: unregelmäßiger, kaum prognostizierbarer Verbrauch

Kombinierte ABC/XYZ‑Matrix (Praxisansatz)

  • AX: Just‑in‑Time, minimale Bestände
  • AY: prognosebasierte Beschaffung
  • AZ: individuelle Einzelplanung
  • CX: große Bestellmengen
  • CZ: möglichst keine Lagerhaltung

 Wichtig: Jede Optimierung muss die Supply‑Chain‑Sicherheit berücksichtigen, um Produktionsunterbrechungen zu vermeiden.

2.2 Halbfabrikate und Fertigfabrikate

  • Halbfabrikate sind vor allem bei modularer Fertigung und im Anlagenbau eine wesentliche Bestandskomponente.
  • Fertigfabrikate gelten als besonders sensibel:

o   Reduzierte Auslastung verschlechtert die Kostenstruktur

o   Hohe Bestände erhöhen Veralterungs‑ und Preisrisiken

Hier ist eine enge Abstimmung zwischen Vertrieb, Produktion und Planung entscheidend.

Mögliche Maßnahmen wären beispielsweise:

  • Erhöhung der Lagerumschlagshäufigkeit (z.B. Abverkaufsaktionen für Langsamdreher)
  • Dropshipping im Handel (Direktversand vom Lieferanten zum Kunden)

Die Höhe der Forderungen wird maßgeblich durch Zahlungsziele bestimmt. Diese spiegeln Marktusancen und Verhandlungsmacht wider:

  • Österreich / EU: meist 30–90 Tage
  • Asien: teilweise bis zu 240 Tage

Lange Zahlungsziele binden Kapital und erhöhen das Ausfallsrisiko.

Empfohlene Maßnahmen:

  • Kurze, klar definierte Zahlungsziele
  • Zahlungsziele auf Basis der Kundenbonität definieren
  • Konsequentes Forderungsmanagement (Mahnwesen, Eskalationsstufen)
  • Gezielter Einsatz von Skonti (wirksam, aber teuer)
  • Factoring als Alternative, insbesondere bei bonitätsstarken Kunden

Verbindlichkeiten sind das Spiegelbild der Forderungen. Grundregel:

Zahlungsziele gegenüber Lieferanten sollten mindestens so lang sein wie jene gegenüber Kunden.

  • Skonti sind wirtschaftlich meist attraktiv
  • Dennoch sollten Zahlungszeitpunkte im Hinblick auf Bilanzstichtage und Kennzahlen bewusst gesteuert werden

Die wichtigste Kennzahl ist der Cash Conversion Cycle (CCC). Er zeigt, wie lange Kapital im operativen Prozess gebunden ist.

Bestandteile des CCC

  • Days Inventory Outstanding (DIO) – Lagerdauer
  • Days Sales Outstanding (DSO) – Forderungslaufzeit
  • Days Payables Outstanding (DPO) – Lieferantenzahlungsziel

Kennzahlenübersicht

Kennzahl

Formel

DSO

(Forderungen / Umsatz) × Tage

DIO

(Lagerbestand / Umsatz) × Tage

DPO

(Verbindlichkeiten / Einkäufe) × Tage

CCC

DSO + DIO – DPO

Eine wirksame Steuerung erfordert:

  • Klare Zielwerte je Kennzahl
  • Regelmäßige Reviews mit mit den Verantwortlichen z.B. Vertrieb, Supply Chain
  • Verständnis in der Organisation, dass Working Capital keine reine Finanzübung, sondern ein operativer Erfolgsfaktor ist

Benchmarking mit Mitbewerbern oder Peer Groups erhöht die Transparenz. Gerade bei komplexen Fertigungsprozessen sind KI‑gestützte Analysen für Vorräte sehr effizient und ersetzen aufwendige manuelle Auswertungen.

Das Working Capital ist – neben dem Anlagevermögen – einer der größten Treiber des Finanzierungsbedarfs. Eine gezielte Optimierung:

  • Reduziert den Kapitalbedarf und den Finanzierungsdruck
  • Senkt operative Risiken (Veralterung, Forderungsausfälle)
  • Verbessert Transparenz und Steuerbarkeit

Entscheidend für den Erfolg sind:

  • Klare Priorisierung der Maßnahmen
  • Schnelle Quick Wins zur Steigerung der Akzeptanz 
  • Nachhaltige Verankerung im Unternehmen

Nach einer erfolgreichen Optimierungsrunde geht es weniger um weitere Einsparungen, sondern um Feinjustierung und konsequentes Management.

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Gesamter Artikel:

1. Was ist Working Capital?

Das Working Capital ergibt sich aus:

Vorräte + Forderungen – Verbindlichkeiten

Es beschreibt das im operativen Geschäft gebundene Kapital, das notwendig ist, um das Geschäftsmodell aufrechtzuerhalten.

Häufig wird vom Kern‑Working‑Capital gesprochen. Dieses kann um sonstige Forderungen und Verbindlichkeiten ergänzt werden. Diese Positionen sind jedoch meist nur eingeschränkt beeinflussbar, da sie oft gesetzlichen Vorgaben unterliegen und verspätete Zahlungen zu Strafen oder Zinsen führen können.


 

2. Vorräte optimieren – der größte Hebel

Bei produzierenden Unternehmen gliedern sich Vorräte in drei Kategorien:

  1. Roh‑, Hilfs‑ und Betriebsstoffe (RHB)
  2. Halbfabrikate
  3. Fertigfabrikate

Hohe Lagerbestände führen nicht nur zu gebundenem Kapital und höheren Finanzierungskosten, sondern auch zu:

  • Erhöhten Lager‑ und Handlingkosten
  • Veralterungs‑ und Abschreibungsrisiken
  • Preis‑ und Absatzrisiken

2.1 Roh‑, Hilfs‑ und Betriebsstoffe gezielt steuern

Bewährte Optimierungsmaßnahmen sind:

  • Konsignationslager mit Lieferanten

Für nachhaltige Ergebnisse empfiehlt sich eine strukturierte Analyse:

ABC‑Analyse

  • A‑Artikel: hoher Wert, geringe Menge → geringe Bestände, häufige Disposition
  • B‑Artikel: mittlerer Wert → regelmäßige Überprüfung
  • C‑Artikel: geringer Wert, hohe Menge → größere Bestellmengen

XYZ‑Analyse

  • X‑Artikel: stabiler Verbrauch, gut prognostizierbar
  • Y‑Artikel: schwankender Verbrauch (z.  saisonal)
  • Z‑Artikel: unregelmäßiger, kaum prognostizierbarer Verbrauch

Kombinierte ABC/XYZ‑Matrix (Praxisansatz)

  • AX: Just‑in‑Time, minimale Bestände
  • AY: prognosebasierte Beschaffung
  • AZ: individuelle Einzelplanung
  • CX: große Bestellmengen
  • CZ: möglichst keine Lagerhaltung

⚠️ Wichtig: Jede Optimierung muss die Supply‑Chain‑Sicherheit berücksichtigen, um Produktionsunterbrechungen zu vermeiden.

2.2 Halbfabrikate und Fertigfabrikate

  • Halbfabrikate sind vor allem bei modularer Fertigung und im Anlagenbau eine wesentliche Bestandskomponente.
  • Fertigfabrikate gelten als besonders sensibel:
    • Reduzierte Auslastung verschlechtert die Kostenstruktur
    • Hohe Bestände erhöhen Veralterungs‑ und Preisrisiken

Hier ist eine enge Abstimmung zwischen Vertrieb, Produktion und Planung entscheidend.

Mögliche Maßnahmen wären beispielsweise:

  • Erhöhung der Lagerumschlagshäufigkeit (z.  Abverkaufsaktionen für Langsamdreher)
  • Dropshipping im Handel (Direktversand vom Lieferanten zum Kunden)

 

3. Forderungen optimieren – Liquidität sichern

Die Höhe der Forderungen wird maßgeblich durch Zahlungsziele bestimmt. Diese spiegeln Marktusancen und Verhandlungsmacht wider:

  • Österreich / EU: meist 30–90 Tage
  • Asien: teilweise bis zu 240 Tage

Lange Zahlungsziele binden Kapital und erhöhen das Ausfallsrisiko.

Empfohlene Maßnahmen:

  • Kurze, klar definierte Zahlungsziele
  • Zahlungsziele auf Basis der Kundenbonität definieren
  • Konsequentes Forderungsmanagement (Mahnwesen, Eskalationsstufen)
  • Gezielter Einsatz von Skonti (wirksam, aber teuer)
  • Factoring als Alternative, insbesondere bei bonitätsstarken Kunden


4. Verbindlichkeiten strategisch steuern

Verbindlichkeiten sind das Spiegelbild der Forderungen. Grundregel:

Zahlungsziele gegenüber Lieferanten sollten mindestens so lang sein wie jene gegenüber Kunden.

  • Skonti sind wirtschaftlich meist attraktiv
  • Dennoch sollten Zahlungszeitpunkte im Hinblick auf Bilanzstichtage und Kennzahlen bewusst gesteuert werden


5. Zentrale Kennzahlen zur Steuerung

Die wichtigste Kennzahl ist der Cash Conversion Cycle (CCC). Er zeigt, wie lange Kapital im operativen Prozess gebunden ist.

Bestandteile des CCC

  • Days Inventory Outstanding (DIO) – Lagerdauer
  • Days Sales Outstanding (DSO) – Forderungslaufzeit
  • Days Payables Outstanding (DPO) – Lieferantenzahlungsziel

Kennzahlenübersicht

KennzahlFormel
DSO(Forderungen / Umsatz) × Tage
DIO(Lagerbestand / Umsatz) × Tage
DPO(Verbindlichkeiten / Einkäufe) × Tage
CCCDSO + DIO – DPO


6. Working Capital nachhaltig steuern

Eine wirksame Steuerung erfordert:

  • Klare Zielwerte je Kennzahl
  • Regelmäßige Reviews mit mit den Verantwortlichen z.B. Vertrieb, Supply Chain
  • Verständnis, dass Working Capital keine reine Finanzübung, sondern ein operativer Erfolgsfaktor ist

Benchmarking mit Mitbewerbern oder Peer Groups erhöht die Transparenz. Gerade bei komplexen Fertigungsprozessen sind KI‑gestützte Analysen für Vorräte sehr effizient und ersetzen aufwendige manuelle Auswertungen.



7. Fazit

Das Working Capital ist – neben dem Anlagevermögen – einer der größten Treiber des Finanzierungsbedarfs. Eine gezielte Optimierung:

  • Reduziert den Kapitalbedarf und den Finanzierungsdruck
  • Senkt operative Risiken (Veralterung, Forderungsausfälle)
  • Verbessert Transparenz und Steuerbarkeit

Entscheidend für den Erfolg sind:

  • Klare Priorisierung der Maßnahmen
  • Schnelle Quick Wins zur Steigerung der Akzeptanz
  • Nachhaltige Verankerung im Unternehmen

Nach einer erfolgreichen Optimierungsrunde geht es weniger um weitere Einsparungen, sondern um Feinjustierung und konsequentes Management.

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